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Altes Handwerk in Pegestorf
Bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 war die Infrastruktur der Gemeinde so gestaltet, dass in der Gemeinde sehr viele Gewerbebetriebe vorhanden und lebensnotwendig waren. Die Einwohner konnten sich dieser Betriebe bedienen, um nicht in die Städte fahren zu müssen, denn Verkehrsmittel waren kaum vorhanden. In der Gemeinde Pegestorf gab es die nachstehend aufgeführten Betriebe, auch Kleinstbetriebe:
Gärtnerei Heinrich Waldhoff, damals Haus-Nr. 71, heute Hauptstr. 13. Das Gelände der Gärtnerei mit Gewächshäusern befand sich am Ortsausgang in Richtung Bodenwerder an der linken Straßenseite. Die Gärtnerei existiert nicht mehr.
Gemischtwaren, Sattlerei und Polsterei Heinrich Warnecke, Haus-Nr. 77, heute Hauptstr. 17. In der früheren Haus-Nr. 67, heute Hauptstr. 48, befand sich ein zweites Geschäft der Farn. Warnecke. Außerdem unterhielt Heinrich Warnecke eine Nebenstelle der damaligen Reichspost. Beide Geschäfte und die Poststelle sind nicht mehr vorhanden.
Die Korbmacherei Ludwig Meyer, damals Haus-Nr. 79, heute Hauptstr. 21. Auch die Korbmacherei existiert nicht mehr. In diesem Hause befand sich auch die damalige Spar- und Darlehnskasse, die 1924 gegründet wurde.
Tischlerei Erich Hahlbrock, früher Haus-Nr. 85, heute Wortstr. 2 (Pfarrhaus). Die Familie Hahlbrock hat das heutige Pfarrhaus an die Kirchengemeinde verkauft und ist aus Pegestorf verzogen.
Tischlerei Friedrich Hahlbrock, früher Haus-Nr. 87, heute Wortstr. 3. Die Tischlerei ist noch vorhanden. Der Betrieb ist ausgesiedelt und befindet sich heute auf dem Grundstück Hauptstr. l.
Dachdeckerei und Hausschlachterei August Meyer, früher Haus-Nr. 43, heute Hauptstr. 35. Der Betrieb existiert heute nicht mehr.
Hausschlachterei August Dörries, früher Haus-Nr. 49, heute Hauptstr. 33. August Dörries war von Beruf Maurer. Die Hausschlachterei wurde aufgegeben.
Bäckerei Wilhelm Krogmeier, früher Haus-Nr. 53, heute Hauptstr. 39. Wilhelm Krogmeier hat die Bäckerei und das Grundstück von der Farn. Dehne in den 30iger Jahren gekauft. Familie Dehne ist nach Pommern verzogen. Die Bäckerei besteht nicht mehr.
Tischlerei Heinrich Hahlbrock, früher Haus-Nr. 94. Das Haus Nr. 94 ist von dem letzten Eigentümer verkauft und hat die Anschrift Im Winkel 10. Es wurde das Hofgrundstück, damals das Haus-Nr. 14, heute Im Winkel 7 käuflich erworben. Die Tischlerei befindet sich heute auf diesem Grundstück.
Stellmacherei Ludwig Dörries, früher Haus-Nr. 84 (ganz früher Haus-Nr. 24), heute Im Winkel 13. Der Betrieb ist nicht mehr vorhanden.
Lebensmittelgeschäft Ludwig Meyer, früher Haus-Nr. 82 (ganz früher Haus-Nr. 24), heute Im Winkel 12. Das Geschäft wurde aufgegeben.
Schuhmacherei und Lebensmittel Friedrich Dörries, früher Haus-Nr. 74, heute Hauptstr. 53. Beide Betriebe sind nicht mehr vorhanden.
Stellmacherei Ludwig Reese, früher Haus-Nr. 62, heute Weserstr. 1. Der Betrieb besteht nicht mehr.
Schneiderei (Meisterbetrieb) Hans Meyer, früher Haus-Nr. 96, heute Weserstr. 5. Auch dieser Betrieb ist nicht mehr vorhanden.
Hausschlachtung Friedrich Meyer, früher Haus-Nr. 22 heute Hauptstr. 59. Die Hausschlachtung wurde aufgegeben.
Milchfuhrbetrieb Heinrich Henke, früher Haus-Nr. 22, heute Hauptstr. 57. Nach dem Tode von Heinrich Henke wurde die Milch anderweitig transportiert.
Tischlerei Albert Klaus, früher Haus-Nr. 59 (Zwischen Zäunen), eine neue Haus-Nr. wurde nicht vergeben. Die Tischlerei wird nicht mehr betrieben.
Bäckerei Karl Lampe, früher Haus-Nr. 63, heute Hauptstr. 63. Der Betrieb ist nicht mehr vorhanden.
Gastwirtschaft und Gemischtwaren Heinrich Ebeling, später Heinrich Reese, früher Haus-Nr. 61, heute Hauptstr. 75. Das Gemischtwarengeschäft ist aufgegeben, die Gaststätte nur noch abends und bei Bedarf geöffnet. Inhaberin ist Gisela Büsselberg. geb. Reese.
Schäferei Christel Henke, früher Haus-Nr. 16, heute Hauptstr. 62. Die Schäferei ist nicht mehr vorhanden.
Schneiderei Alfred Wiedbrauck, früher Haus-Nr. 100, heute Hauptstr. 54. Alfred Wiedbrauck ist durch Heirat von Ottenstein nach Pegestorf gekommen. Die Schneiderei wurde aufgegeben.
Schiffseigner August Meyer, früher Haus-Nr. 108, heute Zwischen Zäunen 1. Der Betrieb wurde von Pegestorf nach Minden verlegt.
Kurzwaren Ida Krull, früher Haus-Nr. 108, heute Zwischen Zäunen 1. Das Geschäft ist in das Haus früher Haus-Nr. 41, heute Kirchweg 3 verlegt und existiert nicht mehr.
Schiffseigner Friedrich Möner, früher Haus-Nr. 19, heute Hauptstr. 40. Der Betrieb wurde nach Bodenwerder verlegt.
Gastwirtschaft Eduard Schoof, früher Haus-Nr. 32, heute Hauptstr. 32. Eduard Schoof hat das Grundstück an Karl Niemeyer verkauft. Der heutige Eigentümer, Karl-Dieter Niemeyer -ein Sohn von Karl Niemeyer-, hat das alte Haus nach dem zweiten Weltkrieg 1967 abgerissen und die heutige Gaststätte eingerichtet.
Schuhmacherei Heinrich Schaper, Haus-Nr. 56, heute Hauptstr. 28. Der heutige Inhaber. Helmut Schaper -ein Sohn von Heinrich Schaper-, übt diese Tätigkeit nur noch in geringem Umfang aus.
Schneiderei Friedrich Reese in der Schule, damals Haus-Nr. 99, heute Hauptstr. 26. Friedrich Reese war auch Bürgermeister. Es ist nach Bodenwerder verzogen. Der Schulunterricht wird seit 1976 in der Grundschule Bodenwerder erteilt. Die Klassenzimmer sind zum Wohnraum umgebaut. Das Gebäude diente also von Oktober 1911 bis 1976 als Schule. Bis Oktober 1911 wurde der Unterricht in dem damaligen Schulgebäude neben der Kirche, dem heutigen Haus Im Winkel 6, erteilt. Zwischen den Häusern Hauptstr. 31 und Nr. 33 stand damals das Haus der Familie Reede. Das Schulgrundstück gehörte der Gemeinde. Heinrich Reede und die Gemeinde tauschten die Grundstücke. Die Gemeinde riß das erworbene Haus ab, dadurch war der Zugang zur Kirche von der Hauptstr. möglich.
Schuhmacherei Hermann Meyer, Mittlere Straße 22, früher Haus-Nr. 111. Hermann Meyer hat die Werkstatt nach dem zweiten Weltkrieg eröffnet. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation wurde der Betrieb nach einiger Zeit wieder aufgegeben.
Lohndrusch und Schroterei Friedrich Rakemann, Haus-Nr. 50, heute Hauptstr. 22. Der Betrieb ist nicht mehr vorhanden. Die Lohndrescherei wurde auf einem Grundstück am Nordausgang des Dorfes -Hauptstr. 4- ausgeübt. Die dort stehenden Holzschuppen sind jetzt abgerissen.
Sattlerei und Polsterei Ludwig Schrader, damals Haus-Nr. 42, heute Hauptstr. 18. Der Betrieb ist nicht mehr vorhanden.
Frisörbetrieb Friedrich Hahlbrock, Haus-Nr. 28, heute Hauptstr. 16, wurde aufgegeben.
Gastwirtschaft und Ausflugslokal Lichtensruh, Haus-Nr. 24. Der Betrieb ist in dieser Form nicht mehr vorhanden.
Gast- und Ausflugslokal Steinmühle, damals Eigentümer August Bense. Es bestand auch eine Fährverbindung über die Weser nach Dölme. Die Gastwirtschaft ist noch in Betrieb, die Fährverbindung nicht mehr. Das Gebäude hatte früher die Haus-Nr. 73, heute Steinmühle Nr. 2.
Müllereibetrieb Karl Dörries, früher Haus-Nr. 68, heute Steinmühle Nr. 1. Die Mühle ist nicht mehr in Betrieb. Der heutige Eigentümer Erich Schuster, unterhält die Mühle als Sehenswürdigkeit der Gemeinde Pegestorf.
Es waren 7 Berufsfischer in Pegestorf ansässig. Diese waren: Friedrich Meier Nr. 21, heute Worthstr. 9, Ludwig Meyer Nr. 82, heute Im Winkel 12, August Meyer Nr. 96, heute Weserstr. 5, Adolf Reese Nr. 58, heute Weserstr. 3, Ludwig Meyer Nr. 54, heute Worthstr. 7, Heinrich Meyer Nr. 23/111 heute Mittlere Str. 23, August- und Friedrich Meyer-Köstermeyer- Nr. 70, heute Hauptstr. 9.
An Vereinigungen und Vereinen waren und sind vorhanden:
a) Forstgenossenschaft, gegründet 1865
b) Schützenverein, gegründet 1877
c) Männergesangverein, gegründet 1892
d) Turnverein, gegründet etwa 1913
e) Frauenverein -Deutsches Rotes Kreuz- gegründet etwa 1913
f) Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1934. Vorher bestand eine Pflichtfeuerwehr.
Milchlieferanten hat es etwa 40 gegeben. Diese lieferten die Milch zunächst in die Pegestorfer Molkerei, ab etwa 1925 in die Molkerei nach Bodenwerder.
Neben den milcherzeugenden Landwirten waren etwa 130 Ziegen und Milchschafe vorhanden. Die gewonnene Milch diente dem Eigenverbrauch und der Erzeugung von Butter, auch zum Eigenverbauch. Der einzige Ziegenbock wurde von Heinrich Intorf, später von Karl Dreyer gehalten.
Neben der Fährverbindung von Steinmühle nach Dölme bestand auch eine Fährverbindung zwischen Rühle und Pegestorf. Der Fährbetrieb wurde von einer Rühler Familie-August Jäger betrieben. Beide Betriebe wurden eingestellt.
Unter der Ziff. 3, Korbmacherei Ludwig Meyer, wurde schon erwähnt, dass eine Spar- und Darlehnskasse vorhanden war. Die Spar- und Darlehnskasse ist im Jahre 1924 von etwa 38 Einwohnern gegründet. Der erste Rendant war ein Herr Reese und wohnte im Haus auf dem Grundstück der heutigen Raiffeisenbank. Weitere Rendanten waren: der Kaufmann Heinrich Warnecke, siehe lfd. Nr. 2, der Gastwirt Eduard Schoof siehe lfd. Nr. 25, der Korbmacher Ludwig Meyer, siehe lfd. Nr. 3. Ludwig Meyer ist im zweiten Weltkrieg vermisst, der Korbmacher Hermann Meyer hat die Vertretung übernommen. Die Geschäfte wurden in den jeweiligen Häusern der Rendanten getätigt. 1955 ist ein Lagergebäude mit Büro auf dem Grundstück Haus-Nr. 64 -heute Hauptstr. 8- gebaut. Das jetzige Kassengebäude wurde, nachdem das alte Wohnhaus abgerissen war, 1962 auch auf diesem Grundstück erbaut. Leiter der Spar- und Darlehnskasse wurde dann Helmut Meyer, der von 1954 bis 1987 hier beschäftigt war. 1966 fand die Verschmelzung mit der Spar- und Darlehnskasse Grave, 1972 die Verschmelzung mit der Spar- und Darlehnskasse Hehlen statt. Übernehmende Kasse war jeweils die Spar- und Darlehnskasse Pegestorf. Nachdem der geschäftsführende Sitz von Pegestorf nach Hehlen verlegt wurde, fanden noch folgende Verschmelzungen statt: Hehlen-Ottenstein, Hehlen-Rühle, Hehlen-Stadtoldendorf. Zu Beginn des Jahres 2000 fusionierten die Volksbank Weserbergland und die Raiffeisenbank Hehlen.
Schuhreparaturwerkstatt “Schusterstube" Kellermeyer, früher Haus-Nr. 41 heute Kirchweg 3. Die Stube wurde aufgegeben.
Das heutige Haus Worthstr. l -Kalthausgenossenschaft- gehörte dem Gastwirt und Schmiedemeister Karl Niemeyer, der in diesem Hause eine Hufschmiede unterhielt -siehe auch lfd. Nr. 25-. Karl Niemeyer ist im zweiten Weltkrieg in Stalingrad gefallen. Die Kalthausgenossenschaft ist 1958 gegründet.
Die Gemeinde Pegestorf schon sehr lange Fischereirechte an der Weser. Diese Rechte mussten, um sie zu erhalten, in das Wasserbuch bei der Regierung eingetragen werden. Diese Eintragung erfolgte 1926. Nach dem damals von 1916 gültigen Fischereigesetz mussten diese Rechte durch eine Fischereigenossenschaft verwaltet werden. Etwa 1919 ist eine solche Genossenschaft in Hameln gegründet. Dieser Genossenschaft ist die Gemeinde Pegestorf nach einigem Zögern beigetreten.
Das heutige Haus Neues Tor Nr. 11, früher Haus-Nr. 98, ist 1909 als Molkerei gebaut. Die Milch der Landwirte wurde bis 1925 in die neue Molkerei geliefert, anschließend nach Bodenwerder. Das Gebäude wird heute nur als Wohnung genutzt. Vor Lieferung in die damalige Molkerei (vor 1909) ist die Milch bei Fam. H. Hahlbrock, siehe lfd. Nr. 9, abgeliefert und im Handbetrieb zentrifugiert. Der Molkerist Mascheck hat im heutigen Haus Neues Tor 4 einen Molkereibetrieb unterhalten.
Bevor Heinrich Warnecke die Poststelle der damaligen Reichspost übernahm, befand sich im Haus Hauptstr. 71, früher Haus-Nr. 38 eine Poststube. Die Arbeiten wurden von der Farn. Heinrich Schrader erledigt.
Auf dem Grundstück Gartenstr. 16, vorher Haus-Nr. 119, hat der Malermeister Willi Nickel bis zu seinem Tode ein Malergeschäft unterhalten. Bevor Herr Nickel dieses Haus baute, wohnte und betrieb er in der Schule sein Malergeschäft.
Ludwig Bohne, Hauptstr. 11, damals Haus-Nr. 69, hatte auf diesem Grundstück eine Schlosserei eingerichtet. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung wurde der Betrieb aufgegeben.
An der Weser vor Lichtensruh war die Schiffswerft Ludwig König angesiedelt (Bunte Straße). Die Werft baute Holzschiffe, die zur Frachtbeförderung genutzt wurden. Das Holz kam aus der Pegestorfer Forst in der Nähe. Die Werft ist etwa um 1900 aufgegeben.
Im Haus Hauptstr. 7, früher Haus-Nr. 102, befand sich eine Korbmacherei. Die Eigentümer -Fam. Meyer- haben diesen Betrieb aufgegeben und sind 1933 mit der Bäckerfamilie Dehne nach Pommern verzogen.
Gegenüber dem Ort Pegestorf bei der Weserstraße wurde am Breitenstein Kalkstein gebrochen. Die Steine wurden mit Loren den Berg hinunter befördert und auf Schiffe verladen. Louis Schrader und andere Einwohner hatten dort ihre Arbeitsstelle
Anmerkung zu Ziff. 34: die Steinmühle ist schon sehr alt und wahrscheinlich im 12. Jahrhundert erbaut. Eigentümer waren die Grafen Everstein in Polle und das Kloster Amelungsborn. Das Kloster Amelungsborn verkaufte die Mühle im Jahre 1854 an die Gemeinde Grave. Die Gemeinde Grave veräußerte das Grundstück 1897 weiter an den Müller Ludwig Dörries. Ein Müllermeister Bense hatte die Mühle (Schrot- und Ölmühle) gepachtet. Die Pachtzeit betrug 6 Jahre und wurde nach Ablauf immer verlängert. Herr Erich Schuster aus Süddeutschland hat die Mühle in den 90iger Jahren käuflich erworben.
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